Ohne Worte

So sieht das aus. Die Sonntagsfrage zur Landtagswahl in Sachsen.

Wundert sich da jemand? Wählerschelte ist nicht angebracht. Ganz und gar nicht. Denn der Wähler, der Bürger, wahlweise auch „das Volk“ – interessanterweise findet da eher selten Differenzierung statt, wird täglich konfrontiert mit schlechten Nachrichten, denn nur diese sind den Medien etwas wert. Der Markt regelt die Nachrichten. Wir wissen, wir nehmen die Welt medienvermittelt wahr, Durch soziale  und die herkömmlichen. Was heute noch wahr, was ist echt, was ist wirklich. Für jede Weltsicht findet man Gutachter oder Experten. Die Politik? Sägt alltäglich an dem Ast, auf dem sie sitzt.  Machtkämpfe, Eitel- und Befindlichkeiten bestimmen die Debatten und Inhalte, die sehr nach Klientel riechen und die realen Probleme außer Acht lassen, Filterblasendebatten. Und der Mensch, der kommt sich betrogen und alleingelassen vor in unserer organisierten Gesellschaft, die ihn nie als ganzen Menschen sieht. Für ihn nicht zuständig ist oder eben gerade für sein Problem keine Lösung findet. Gaubt denn ernsthaft jemand, mit Rede-Battles Vertrauen zu gewinnen von realen Menschen die in einer realen Welt mit realen Lebenswelten zu tun zu haben?

Die politische Opposition ist keine Opposition mehr und keine glaubwürdige Alternative. Das hat eine gewisse innere Logik, Parteien sind nichts anderes als soziale Systeme, die blind sind für ihre Umwelt und das, was Umwelt ist, selbst definieren.  Ich hätte keine Antwort gehabt auf diese Frage „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre.“ Manchmal ist es gar nicht gut, zuviel gesehen und erlebt zu haben und das noch dazu aus unterschiedlichen Perspektiven.

Eine Lösung? Nicht in Sicht. Viel Raum fürs Verzweifeln. Manchmal möchte man die Welt anhalten und alle virtuellen sozialen Netze stillegen. Einen Moment Ruhe und innehalten. Vielleicht käme sie wieder zur Vernunft, diese Welt.

Ungleichheit

Ungleichheit in einem System, welches Ungleichheiten entgegenwirken soll. Ungleichheit, die nicht durch den von Ungleichheit Betroffenen selbst verursacht oder verschuldet wurde – rechnet man die falsche Berufswahl (Grundschule statt Gymnasium oder Geburts- bzw. Berufseintrittsjahr und die „falschen“ Eltern man nicht als Schuld).

Und die Grenzen im System sind ähnlich dicke Glaswände wie die sozialstatusbedingten Nachteile oder eben die Genderbedingten (wobei ich dazu eine eigene Auffassung vertrete).

Lehrer widerspiegeln unsere Gesellschaft und sehr wohl gibt es da ein oben und unten. Die Debatte um die Verbeamtung ist so irre wie nur irgendwas uns geht am eigentlichen Thema völlig vorbei. Aber: Sie beschäftigt die Massen, die Gewerkschaften, die Medien. Was ist denn nun aber mit der systemimmanenten Hierarchie? Der Tatsache, dass Grundschullehrer einen geringeren Status haben als Gymnasiallehrer zum Beispiel.. Was ist die Rechtfertigung – die sachliche, wissenschaftliche wohlgemerkt? Ich hatte dazu mal eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einem Bekannten, der aus Syrien stammt, und zu denen gehört, die man als wirtschaftlich und kulturell bestens kapitalausgestattet bezeichnet, dem eine gute Schulbildung der Kinder wichtig ist. Gymnasiallehrer verdienen mehr weil das Studium härter sei und sie mehr wissen müssten. Schwachsinn, mit Verlaub. Ein Lehrer ist zuallerert ein Pädagoge, ein Pädagoge, ein Pädagoge. Und es kommt nicht nur darauf an, Wissen zu vermitteln, sondern zuvorderst WIE man sich Wissen aneignet, erweitert, vernetzt und das ganze noch mit Spaß und Interesse daran. Das Fundament – und da sind wir beim nächten Thema, wird in der frühkindlichen Bildung gelegt. Was bis zu Grundschule nicht an kulturellem Kapital erworben wird, ist später nie mehr wirklich aufzuholen.

Wo bleibt die Initiative der Bildungspolitik für eine mindestens Gleichstellung der Lehrer aller Schularten und die Erzieher gleich mit? Ich habe noch – in einem früheren ganz bösen System – als Grundschullehramtssudent mit Erziehern gemeinsam auf der Schulbank gesessen. Das hatte wohl gute Gründe, wobei die Oberstufe schon damals etwas „Höheres“ war, was mir später, als ich das Abi nachholte  meine Klassenlehrerin deutlich vermittelte. Unterstufenlehrer sind zu blöd fürs Abi.

Wenn man für Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit oder wie auch immer man das Bestreben bezeichnen will, Kindern ungeachtet ihrer Herkunft die gleichen START(!!!!!)Chancen zu bieten, dann sollte man dringend die berufsbedingten Ungleichheiten im Bildungssystem angehen und beseitigen.  Wetten, dass es dazu niemals kommt, weil sich die unterschiedlichen Vertreter der Berufsgruppen dagegen wehren werden? Die feinen Unterschiede sind überall.

Wochenendgeeignet: Brentenjoch

Es empfiehlt sich, Wanderungen nicht einfach so rauflos zu planen. Und ein ziemlich wichtiger Faktor ist – der Tag der Wanderung. An Wochenenden sind die Alpen mindestens genauso voll wie das Elbsandsteingebirge. Dies ist nicht nur nervig, sondern für manche Touren auch ein Risiko. Bei allen schönen Bildern darf man nicht ganz vergessen, dass ein Stolperer zuweilen sehr drastische Konsequenzen haben kann.

Der Aggenstein sollte es also nicht sein, aber die Richtung. Wetterbedingt. Richtung Schattwald hält sich der Winter um einiges länger als Richtung Grän. Das Brentenjoch also. Eine landschaftlich sehr schöne Tour, für die Kondition tut man auch was so ganz nebenbei. Wir sind gespannt, wie lange man unsere Runde noch so gehen kann. Ich denke zwei Jahre, spätenstens dann haben sich die Latschen den Weg vom Brentenjoch zur Kissinger Hütte/Aggenstein zurückerobert.

Immer dasselbe?

Es ist ja schon fast spießig, mehr als einmal denselben Urlaubsort zu wählen. Zumindest für diejenigen, die das Länderabhaken als Urlaubsstrategie für sich als Motto gewählt haben. Urlaub als Auszeit aber, da hat es seine Vorteile, ein Urlaubszuhause zu haben. Eins, in das man sich auch zwischendurch mal hineindenken kann.

Die Sulzspitze war der erste 2000er vor zwei Jahren, die letzten beiden Male nicht besucht stand sie wieder auf dem Tourplan. Und hat nicht enttäuscht. Eine Tour, die mehr in schroffere und weniger liebliche Berglandschaft führt als andere. Als ein echter Vorteil erwies es sich auf dieser Tour, dass wir die Gegend kannten. Anderenfalls hätten wir angesichts der Schneefelder die Tour abbrechen müssen. Ende Mai ist eben doch noch grenzwertig in bestimmten Höhenlagen. Jedenfalls – der Ausblick war wunderbar und das Wetter richtete sich ganz nett und freundlich nach uns. Es regnete. Aber immer anderswo. Was wir dieses Mal deutlich wie nie sahen, sind Bodenerosionen und die Risse an so manchem Wegstück lassen vermuten, dass über kurz oder lang der Weg ein anderer sein wird.

Der Markt wirds schon regeln

Fachkräftemangel. Wovon reden wir beim Fachkräftemangel denn eigentlich. Geht es da um die gut dotierten, die attraktiven Jobs, geht es da um Führungspositionen oder um Jobs mit viel Entfaltungs- und Kreativitätspotential und Entwicklungsmöglichkeiten? Oder geht es da um Jobs, die gesellschaftlich nicht anerkannt, schlecht bezahlt sind, die belasten, psychisch und/oder physisch und für die sich keine Menschen mehr finden weil die demografische Entwicklung die Marktverhältnisse augenscheinlich zugunsten der Arbeitnehmer (die gefragt sind) entwickelt hat?

Es fehlen in der Zukunft Mitarbeiter in Verwaltungen, in sozialen und Pflegeberufen, Lehrer, in der Gastronomie, Gebäudereiniger werden auch seltener. Dem Mittelstand und dem Handwerk fehlt der Nachwuchs.

Demgegenüber steht Bildungsexpansion, Meritokratie und Individualisierung. Das Bildungssystem irgendwie seiner Allokationsfunktion nicht mehr so richtig nachzukommen. Heißt nichts anderes, das Bildungssystem hat einen anderen Output als das Wirtschaftssystem gerne hätte. In Kombination mit der demografischen Entwicklung führt dazu, dass überall von Fachkräftemangel geredet wird und man anfängt, über Strategien zur Behebung nachdenkt.

Aber – was soll eine Fachkräftestrategie leisten? Soll der Fachkräftestratege zu den Eltern gehen und sie bitten, lasset Eure Kinder bitte um Himmelswillen nicht alle Abi machen? Soll Berufsorientierung sich am Arbeitsmarkt orientieren? Was ist dann aber mit der vielbeschworenen Selbstverwirklichung und individuellen Entwicklung – die Leitbilder der modernen Gesellschaft, die lebenslanges Lernen dadurch quittiert, dass eine zu gute Bildung ein ernst zu nehmendes Bewerbungshindernis ist.

Ich las auf Facebook den Status „besorgt“ bei einem Landtagsvgeordneten. Weil die Wirtschaft nicht mehr auf ausreichende Humanressourcen zugreifen kann. Besteht dieselbe Besorgnis eigentlich auch in Bezug auf die Menschen?

Gewittertour

Was macht man angesichts unklarer Wettervorhersagen? Einen Schirm mitnehmen. Normalerweise. Aber die Planung einer Wanderung ist nicht ganz so einfach, besonders wenn es um Gewitter und Platzregen geht.

Der Wetterbericht meinte, ab 14 Uhr könnte es regnen und gegen 16 Uhr dann wieder mal gewittern, wie so oft hier in den letzten Tagen. Also los, von der Talstation in Grän zur Großen Schlicke und zur Bergstation Füssener Jöchle. Den Aufstieg wollten wir uns schon selbst antun, Bergauffahrten sind was für Ältere. Man merkt den aber schon in den Beinen, so ganz haut die eine Stunde auf diesem einen Wegweiser da stand. Die Zeitangaben sind oft eher relativ.

Ende Mai ist noch recht früh fürs Wandern, es liegt noch ziemlich viel Schnee, oftmals stapft man durch Matsch und das ist, wenn es rutschig wird, dann nicht mehr ganz so schön. Heute bewahrte uns an einigen erfahrungsgemäß typischen Matschstellen Schnee vor DIESER Rutscherei.

Der Regen kam pünktlich an der großen Schlicke um 13.50 an, wir brachen auf in Richtung Füssener Jöchle und der Regen blieb erstmal hinter uns – bis kurz vor der Bergstation. Ein Gewitter mit Großgraupel ist schon was beeindruckendes.

Vom Thorwald nach Hitzerstadt

Ein verlängertes Himmelfahrt-Wochenende UND schönes Wetter. Gewarnt von den Überlaufberichten des Himmelfahrtstages haben wir eine etwas entlegenere Runde gesucht – und das erfolgreich.

Wieder halb-öko mit dem Auto bis zum Bahnhof Bad-Schandau und dann mit dem Bus weiter. Eine schöne Runde die auch ein wenig auf die kommenden „richtigen“ Höhenmeter vorbereiten soll.

Vom Thorwald nach Hitzerstadt. Mit letzterem gemeint ist Schmilka. Der Pflaumenkuchen ist zwar lecker, die Lobreden auf den Investor laut, die Angebote sehr Bio und ansprechend. Aber es gibt in Schmilka eben auch nicht mehr viel anderes.

Das beste kommt übrigens immer zum Schluss: In der Mühlenbäckerei – wir warteten auf den Rhabarberkuchen, fragte eine junge Dame, ob es „irgendwas Veganes“ gäbe. Nimm Dir einfach nächstens einen Apfel mit, Mädel.

Wohnen

Wohnen – das ist DAS Thema dieser Tage. Mieten steigen, Wohnraum wird knapper – nicht insgesamt natürlich, sondern in den Städten. In den Städten, die boomen. Dresden gehört dazu und in Dresden wurden über das  Thema Wohnen Wahlkämpfe geführt und entschieden. Das bedeutet, Wohnen ist relevant für eine weitaus größere Anzal Menschen als die, die wirklich eine Wohnung suchen.

Wohnraum schaffen heißt Wohnungen bauen. Irgendwo hin. Irgendwo hin wo Platz ist. Da wird es spannend. Denn dann ist das Verständnis für die Notwendigkeit des Wohnungsbaus offenbar begrenzt. Baut, aber bitte nicht grad hier. Wo eine Garage steht. Eine Grünfläche ist. Eine Schule, eine Rettungswache, eine Ausgleichsfläche sein könnte. Ich frage mich in dem Zusammenhang auch manchmal, wie die journalistische Zunft tickt. Kürzlich las ich in einem Artikel Kritik daran, dass eine städtische Tochter, zum Zwecke des Wohnungsbaus gegründet, die undankbare Aufgabe hatte, Garagenbesitzern mitzuteilen, dass auf eben dieser Fläche Wohnungen gebaut werden sollen. „Die Stadt“ oder „die Verwaltung“ hätte dies übernehmen sollen. Die städtische Tochter ist genauso „die Stadt“ wenn man schon so undifferenziert rangeht. Man kann Skandälchen und Konflikte auch herbeischreiben. Noch schräger wird es allerdings, wenn Stadträte sich darüber aufregen, Stadträte, die diese städtische Tochter wollten, beschlossen haben, dieser Tochter Grundstücke übertrugen, auf denen gebaut werden soll.

Mindestens ebensolch makabren Unterhaltungswert haben die Pläne von Vonovia und der Unmut einer Fraktion auf den Petitionsausschuss. Ja, Wohnraum schaffen in einer Stadt bedeutet manchmal Verdichtung. Man kann es sich leicht machen und aufs Wahlplakat schreiben „Wohnungsbau fördern!“ und wenn es dann um die Umsetzung geht, sich darüber aufregen. Das macht so richtig glaubwürdig. Es ist bald wieder Wahlkampf. Ich bin schon gespannt auf die vielen As auf die dann kein B folgt.

Auswärts

Himmelfahrt und Wandern ist hinsichtlich der Tourenauswahl nicht ganz so einfach. Die Sächsische Schweiz wird da regelmäßig überrollt und Wanderungen sind da eher gefühlt gleichzusetzen einem sonnabendlichen Stadtbummel auf der Prager Straße. Also: Altenberg. Wanderung würde ich es nicht unbedingt nennen, eher ein straffer Spaziergang. Aber kann mal auch mal machen. Nur – Der Lugstein hat nicht mehr viel mit Natur zu tun. Aber wenigstens weiß ich jetzt wieder wo der Startpunkt einer sehr speziellen Skitour zum Mückentürmchen war. Eine Skitour sollte es zumindest werden. Mit drei Kollegen – ein Büroausflug. Vor zwei Jahren. Die Ski aus dem Auto ausgeladen (meine Ski samt Schuhe bestimmt 25 Jahre auf dem Buckel), Schuhe angezogen und im Moment des Einspannens in die Skibindung brachen die Schnäbel der Schuhe ab. Da hatte ich die Wahl zwischen Totalblamage (Warten im Auto oder der Bitte um kompletten Tourabbruch) oder – was ich dann auch tat, das ganze mit Humor zu nehmen und zu laufen (um mich nicht als „Mädchen“ zu erweisen). 11 Kilometer Skifahrern hinterherstapfen. Gefroren habe ich da jedenfalls nicht.

Heute waren es 12 Kilometer in der Sonne.

Kühe und Affen

Eine größere Runde durch die Sächsische Schweiz mit ein paar Höhenmetern und schöner Aussicht.  Mit Auto oder Bahn bis zum Bahnhof Bad Schandau. Dann weiter mit dem Bus in Kirnitzschtal. Ende der Wanderung in St. Hitzeringen- früher hieß der Ort mal Schmilka. Und von da aus mit Bus und  Fähre zurück nach Bad Schandau zum Bahnhof.

Empfehlenswert ist ein früher Start um auf dem Carolafelsen noch einen Sitzplatz für eine Pause zu ergattern. Highlight am Ende der Tour ist Schmilkas neueste Errungenschaft: Das Geländerfragmentarium.