Fachkräftestrategie (Teil1*)

Lektüre der Ostseezeitung. Ein durchaus bemerkenswerter Beitrag, macht er doch die ganze Misere unserer Bildungs- und Wissensgesellschaft deutlich. Es fehlen Pflegekräfte. Nicht nur in MeckPomm, aber auch da. Erfreulicherweise hat man aber offenbar viele Abiturientinnen. (innen. Nicht Innen oder *innen, auch das ist bemerkenswert.)

Übersetzt in die Alltagssprache heißen die Überlegungen: die Mädels wollen, nachdem sie nun schon Abi gemacht haben, auch noch studieren, es fehlen aber Krankenschwestern – also erfinden wir mal einen Studiengang mit einem (dem 125.000.) Bachelorabschluss, mit dem man dann aber als Pfleger arbeitet. Denn es fehlen in erster Linie die Pflegekräfte. Nicht die Führungskräfte. Heißt aber dann unter Umständen, dass eben ein OBerschulabschluss (wollte man nicht die Oberschulen stärken?) für Pflegeberufe nicht mehr reicht. Andere Variante wäre eine weitere Differenzierung und Hierarchisierung der Pflegeberufe. Bessere Arbeitsbedingungen entstehen mit einer „Studierbarkeit“ nämlich NICHT.

Bildungsexpansion.

(Witzigerweise fand ich am selben Tag noch eine Werbung der Handwerkskammer. Sinngemäß: werde nicht der XXte Langzeitstudent, lerne lieber was Ordentliches.  Für junge Menschen dürfte das etwas verwirrend sein.)

Es soll mittlerweile Personalabteilungen geben, die den Überblick verloren haben, welche Bildungsabschlüsse mit welchen Inhalten und Befähigungen es mittlerweile so gibt. Bedeutet für die Absolventen, sie fallen durch die Auswertungsraster bei Ausschreibungen und haben so keine Chance auf einen Job, für den sie möglicherweile qualifiziert wären. Oder studieren etwas, wofür es kaum Einsatzmöglichkeiten gibt.

Es wäre eine Variante einer Fachkräftestrategie, dies mal zu sortieren. Allerdings – dementgegen steht die Tatsache, dass Bildung ein durchaus lohnenswerter Markt ist. Noch vernünftiger wäre es, nicht alle möglichen Berufe „studierbar“ zu machen, (das führt macht Universitäten dann nämlich noch weit mehr als bisher zur Berufsschule) sondern tatsächlich mal über ein Leistungsprinzip wenigstens nachzudenken. Die Frage, wer tatsächlich Leistung bringt und was Leistung eigentlich ist, ist eine durchaus interessante.

 

*Teil 1 in der Überschrift deshalb, weil es noch einige weitere Puzzleteile zu behandeln gilt.

„Gewinner“

wenn man das so bezeichnen kann – seit der Bundestagwahl, das sind zwei Parteien. Nicht die FDP.  Nicht die Linke. Nein, the winner is oder besser sind die Grünen und die AFD. Nur die beiden Parteien konnten an potentiellen Wählerstimmen oder öffentlicher Zustimmung profitieren. Und so sieht das grafisch aus:

Allerdings – kein Grund für Freudentänze zum Beispiel bei den sächsischen Grünen. So wie es jetzt aussieht, wird es für den nächsten Landtag knapp. Und das mag Gründe haben. Bundesweit profitieren die Grünen vom neuen Führungs-Duo. Und von dem Bundestagsabgeordneten, den man zu Beginn der Legislatur gerne mal versuchte, lächerlich zu machen. Anton Hofreiter.  Der smarte Christian hat seiner Partei keinen Gefallen getan, jedenfalls haben die Wähler den Ausstieg aus den Koalitionsverhandlungen nicht mit wachsender Zustimmung goutiert. Und danach blieb die FDP einfach nur blass und nicht ernsthaft wahrnehmbar. Sorry. Ist aber so.  Die Linke zerlegt sich selbst, der Streit der Königinnen ist schon einmal nicht gut ausgegangen.  Die SPD. Ja, was soll man da noch sagen. Sie hat sich verfahren. Und ist nicht in der komfortablen Position einer Opposition, draufhauen und mit dem Finger zeigen zu können. Besser wissen ist immer leicht. Besser machen schon weniger. Und die CDU/CSU beweist, dass der Fachkräftemangel eklatant ist. Und die AFD freut sich. Ihr Dank gilt den zuverlässigen Massenmedien. Die durch ihre hysterische Fokussierung auf Flüchtlinge-AFD-AFD-Flüchtlinge verhindern, dass die Realität ein wenig mehr umfasst. Politik auch noch ein paar andere Aufgaben hat. Das ist ein unguter Kreislauf.

 

 

 

 

 

Aufräumen

kurz vorm Urlaub. Kopf und Schreibtisch. Den Entwurf für das Expose der Masterarbeit einreichen. Herkunftsbedingte Ungleichheit. Was genau macht diese Nachteile aus, die, so der Nationale Bildungsbericht, eben noch nicht kompensiert werden konnten. Trotz aller Bemühungen. Der Abstand zu den Abgehängten wird sogar noch größer.

Denken an die Feierliche Zeugnisausgabe eines Dresdner BSZ mit einer denkwürdigen Rede des Bildungsbürgermeisters. Tränen in den Augen der Lehrer. Vor Freude hibbelige junge Erwachsene, denen die Welt offenzustehen scheint. Von drei Klassen des Berufsvorbereitenden Jahres haben es die Hälfte der Schüler nicht geschafft. Sie sind chancenlos und ohne Abschluss. Auf dem Schreibtisch die Einladung für die Einweihung des Schulcampus Tolkewitz. Gymnasium. Replik der Diskussionsrunde zur Exzellenzuniversität. Daneben der zweite Bildungsbericht. Schreiben eines Bürgers. Beschwerde über die Vorzimmerpflanzen. Gemeint sind Sachbearbeiterinnen. Lustig ist das nicht mehr.

Der Innenminister führt sich auf wie ein Rumpelstilzchen. Und man lässt ihn. Das Berliner Theater wird immer absurder. Noch absurder aber ist die Verwunderung darüber. Ein Politikprofessor rät einer regierenden Partei die Kooperation mit der AFD. Die AFD, die die ideologische Säuberung der Schulen will. Der Lehrer. Universitäten bilden Lehrer aus. Sollen die Unis auch gereinigt werden?

Kürzlich las ich, das Geld für die Kulturförderung in meiner Stadt fehlt. Kulturschaffende teilweise in prekären Verhältnissen leben. Lese in der Zeitung, 1,7 Millionen für 5 Jahre. Gehalt für einen Menschen. In einem Kulturstaatsbetrieb. Warum ist das eigentlich selbstverständlich?

Die Welt ist irre.

Urlaub. Endlich.

Was zuerst?

Es gibt Tage, die verbieten ob ihrer Reichhaltigkeit einen ungestörten Nachtschlaf. Schäfchen, Fernsehen und/oder Kühlschrank. Oder eben bloggen und den Kopf mit anderen Themen beschäftigen. Bildung. Geht immer. So dermaßen immer, dass ich eigentlich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll um all den Unsinn zu beschreiben – kultuvierter formuliert: die offensichtlichen Probemfelder zu analysieren.

Nun also: Das Kultusministerium macht den sächsischen Schülern ein wahrhaft ehrenwertes und fürsorgliches Geschenk. Die Lernbelastung wird gesenkt. (Un die individuelle Lernfreiheit damit vergrößert). Dieser Satz wird natürlich beigefügt, niemand will doch dem PISA-Sieger nachsagen lassen, man würde an selbigem Aste sägen. Bevor wir zum Kern der Sache kommen, nämlich dem, was da EIGENTLICH passiert, lache ich zuende. Respekt! Soviel Sarkasmus habe ich dem Pressesprecher des SMK nicht zugetraut. Wirklich nicht. Wobei man da kürzlich schon Sinn für Humor durchscheinen ließ mit der Stellungnahme „Klassenbildung ist Sache des LASUB“.  Das ist ungefähr so als wenn unsere Umweltbürgermeisterin sagte, „geht mich nichts an, das war das Umweltamt“. Oder so.

Man kürzt also die Stundentafel. Das könnte sogar eine vernünftige Idee sein und auch die Entlastung der Schülerschaft. Wenn nur nicht gerade eben überall öffentlich erkennbar und heiß diskutiert der Lehrerschaftsmangel allgegenwärtig wäre. Völlig egal ob durch diese Stundentafelkürzungen auch nur eine Lehrerstelle eingespart würde und ob es einen tatsächlichen Zusammenhang gibt oder nicht: er wird hergestellt in der Wahrnehmung der gesamten Sachlage. Und ich frage mich wie weit weg von der Realität man sein muss, um Kürzungen dann noch als Erfolg zu verkaufen. Schulen hätten größere Gestaltungsfreiheit. Schüler mehr Freiraum für indiviuelles Lernen. Dumm nur dass gerade der Nationale Bildungsbericht veröffentlicht wurde – leider Gottes mit viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Ein entscheidender Satz sei hier zitiert: „Trotz vieler bildungspolitischer Reformprojekte und damit verbundener Verbesserungen ist es bisher nicht gelungen, Bildungsungleichheiten entscheidend zu verringern. Mit den vielfältigeren Möglichkeiten, Bildungsverläufe individuellzu gestalten – von kurzen Bildungswegen für Leistungsstarke bis hin zu verzögerten Karrieren der zweiten Chancen – ist daher auch ein steigendes Risiko verbunden: DieKluft zwischen Personen, die ihre Bildungserfolge Schritt für Schritt steigern können, und anderen, deren ungünstige Ausgangslagen langfristig nachwirken, könnte größer werden.“ Zum Nachlesen: https://www.bildungsbericht.de/de/nationaler-bildungsbericht
Was heißt das? Nun, es ist so, dass insgesamt das Bildungsniveau steigt, mehr Menschen streben mehr Bildung oder besser gesagt höhere Bildungsabschlüsse an. Bildungsabschlüsse sind nun mal der Schlüssel in den existenzsichernden Teil des Arbeitsmarktes. Dieser existenzsichernde Teil des Arbeitsmarktes vergrößert sich aber nicht unbedingt. Die Bildungsexpansion (längeres Verweilen der Menschen in Bildungseinrichtungen, insgesamt höhere Anzahl höherer Bildungsabschlüsse und größere Vielfalt der Bildungsabschlüsse) bedeutet aber nun nicht, dass der existenzsichernde Teil des Arbeitsmarktes in gleichem Maße größer wird. Ganz arg und unwissenschaftlich verkürzt: es rennen mehr Menschen mit besseren Laufschuhen, aber gewinnen können eben doch nur einige.  Man kann das mit einer Inflation vergleichen. Der Marktwert der Bildungsabschlüsse sinkt. Das ist vor allem für die fatal, die am Ende stehen und aus verschiedensten Gründen die niedrigsten Bildungsabschlüsse erreicht haben, können oder werden.

Die Bildungsexpansion hat auch ihre Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur.  Weniger Kinder und dann noch längere Bildungswege und höhere Abschlüsse. Das nennt man dann Fachkräftemangel. Die Begeisterung für Berufe, die mit verhältnismäßig geringem Verdienst locken oder mit hoher Belastung oder geringem Renomee oder allem zusammen hält sich in Grenzen. Und wer wagt es, die Menschen dafür zu kritisieren?

Aber zurück zu unserer Stundentafel und dem Bildungsbericht. Herkunft zählt und zwar ab der ersten Stunde. Die Eltern, deren Situation, deren Lebenswelt, deren Herkunft wirkt sich massiv auf den Lebenslauf der Kinder aus. Gott sei Dank setzt sich diese Erkenntnis durch. Und es gibt einen ganz einfachen Grund warum – wie der Bildungsbericht fast unbemerkt konstatiert – Reformprojekte und Verbesserungen nicht dazu geführt haben, dass diese herkunftsbedingten Ungleichheiten abgebaut wurden: Sie benachteiligen die, die aus sozial prekären Situationen kommen, weil sie nicht das mitbringen, was nötig ist, um von diesen bildungspolitischen Reformen zu profitieren. Selbstorganisiertes und individuelles Lernen setzt voraus, dass man lernen kann. Leider muss auch das erstmal gelernt werden und ja die kindliche Neugier kann in einer sozial prekären Situation kaputt gemacht werden. Es wird immer schwerer und unmöglicher, für einen Teil der Kinder das aufzuholen, was ihnen schon an Lernvoraussetzungen für die Kita fehlt. Frühkindliche Bildung ist der Schlüssel und zwar nicht nach dem Gieskannenprinzip. Wie aber sollen das die Pädagogen in den Kitas schaffen. Abgesehen davon dass sie selber am Ende der Nahrungskette stehen. Ist doch der Gymnasiallehrer der beste und wichtigste Pädagoge, der am meisten Ansehen (und Gehalt) genießt. Ja, auch das zählt.

Es wird die Welt nicht zusammenbrechen wenn eine Mathestunde nun formal gerechtfertigt weniger stattfindet. Aber: man möchte sagen, Aufgabenstellung nicht erkannt. Oder ist vielleicht die Verringerung der herkunftsbedingten Bildungsbenachteiligung gar nicht die Aufgabe oder das Ziel? In unserer Gesellschaft, in der es nach Leistung geht, dem Worte nach, in der behauptet wird, jeder sei seines Glückes Schmied – und wenn man das falsche Elternhaus hat, Pech gehabt? Ein großer Soziologe hat es mal auf den Punkt gebracht: Bildung ist ein wunderbares Instrument, soziale Unterschiede zu zementieren, ohne dass tatsächlich ein Schuldiger ausgemacht werden kann. Schuld ist immer das Individuum. Es könnte ja schließlich lernen und sich bemühen. Individuell lernen in der Sprache des SMK. Man wird sich mal irgendwann entscheiden müssen, was man will. Und welche Aufgabe Bildung einerseits und das Bildungssystem andererseits in der Gesellschaft hat. Ansonsten wird sich das Problem der Herkunftshürde verschärfen. Für einige wenige zwar, aber existent ist das Problem eben doch. Nur haben diese wenigen keine Lobby und werden weniger wahrgenommen als zum Beispiel Gymnasiasten, die sich als „Bildungsverlierer“ bezeichnen. Sie sind es nicht.

Es wird mit diesen Kürzungen niemandem wirklich was passieren. Nur diejenigen, die nicht die Chance haben, zur Nachhilfe zu gehen, die dieses individuelle Lernen nicht können, die Unterricht zum Lernen brauchen, die wird es treffen. Und vermutlich wird der erhoffte Effekt des besseren Verteilens vorhandener Lehrkapazität nicht eintreffen.

Was solle der Mensch lernen. Im Grunde ist das – mit Verlaub – ziemlich wurscht so insgesamt, Hauptsache, der Mensch lernt zu lernen und selbständig !!! zu denken und sich als eigenständiges und handlungsfähiges Wesen zu begreifen, was auch im Zweifelsfall mal ohne Tablet  und google Map klarkommt. Und mit verschiedenen nicht immer planbaren Lebenslagen. Den Lehrplan zu überprüfen und daraus resultierend (!) dann die Stundentafeln ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Nur ist Politik immer auf Effekte bedacht und angewiesen, die innerhalb einer Wahlperiode so terminiert wahrgenommen werden, dass sie die aktuell Verantwortlichen für sich als eigene Leistung verkaufen können. Da stehen die Chancen momentan für den MP und seine neue Mannschaft allerdings nicht sehr gut. Ehrlicher wäre gewesen zusagen: Liebe Sachsen, wir haben zu wenig Lehrer, die Seiteneinsteiger konnten das Problem nur bedingt lösen. Unser Vorschlag: Wir streichen Stunden, die als Gesamtmenge ohnehin ausgefallen wären so, dass wir wieder eine Gleichstellung aller Schulen hinbekommen, egal ob die nun auf dem flachen Land oder in Leipzig (der Stadt mit der sachsenweit besten Lehrerversorgung) steht und sichern euch zu: Es gibt keinen Langfristausfall mehr. Oder sowas in der Art. Dieser Marketinggag allerdings mit der Entlastung, der trieft vor Realitätsferne und man muss sogar ernsthaft vermuten, die glauben selbst daran. DAS aber wäre nun wirklich Grund zur Sorge.

Ohne Worte

So sieht das aus. Die Sonntagsfrage zur Landtagswahl in Sachsen.

Wundert sich da jemand? Wählerschelte ist nicht angebracht. Ganz und gar nicht. Denn der Wähler, der Bürger, wahlweise auch „das Volk“ – interessanterweise findet da eher selten Differenzierung statt, wird täglich konfrontiert mit schlechten Nachrichten, denn nur diese sind den Medien etwas wert. Der Markt regelt die Nachrichten. Wir wissen, wir nehmen die Welt medienvermittelt wahr, Durch soziale  und die herkömmlichen. Was heute noch wahr, was ist echt, was ist wirklich. Für jede Weltsicht findet man Gutachter oder Experten. Die Politik? Sägt alltäglich an dem Ast, auf dem sie sitzt.  Machtkämpfe, Eitel- und Befindlichkeiten bestimmen die Debatten und Inhalte, die sehr nach Klientel riechen und die realen Probleme außer Acht lassen, Filterblasendebatten. Und der Mensch, der kommt sich betrogen und alleingelassen vor in unserer organisierten Gesellschaft, die ihn nie als ganzen Menschen sieht. Für ihn nicht zuständig ist oder eben gerade für sein Problem keine Lösung findet. Gaubt denn ernsthaft jemand, mit Rede-Battles Vertrauen zu gewinnen von realen Menschen die in einer realen Welt mit realen Lebenswelten zu tun zu haben?

Die politische Opposition ist keine Opposition mehr und keine glaubwürdige Alternative. Das hat eine gewisse innere Logik, Parteien sind nichts anderes als soziale Systeme, die blind sind für ihre Umwelt und das, was Umwelt ist, selbst definieren.  Ich hätte keine Antwort gehabt auf diese Frage „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre.“ Manchmal ist es gar nicht gut, zuviel gesehen und erlebt zu haben und das noch dazu aus unterschiedlichen Perspektiven.

Eine Lösung? Nicht in Sicht. Viel Raum fürs Verzweifeln. Manchmal möchte man die Welt anhalten und alle virtuellen sozialen Netze stillegen. Einen Moment Ruhe und innehalten. Vielleicht käme sie wieder zur Vernunft, diese Welt.

Ungleichheit

Ungleichheit in einem System, welches Ungleichheiten entgegenwirken soll. Ungleichheit, die nicht durch den von Ungleichheit Betroffenen selbst verursacht oder verschuldet wurde – rechnet man die falsche Berufswahl (Grundschule statt Gymnasium oder Geburts- bzw. Berufseintrittsjahr und die „falschen“ Eltern man nicht als Schuld).

Und die Grenzen im System sind ähnlich dicke Glaswände wie die sozialstatusbedingten Nachteile oder eben die Genderbedingten (wobei ich dazu eine eigene Auffassung vertrete).

Lehrer widerspiegeln unsere Gesellschaft und sehr wohl gibt es da ein oben und unten. Die Debatte um die Verbeamtung ist so irre wie nur irgendwas uns geht am eigentlichen Thema völlig vorbei. Aber: Sie beschäftigt die Massen, die Gewerkschaften, die Medien. Was ist denn nun aber mit der systemimmanenten Hierarchie? Der Tatsache, dass Grundschullehrer einen geringeren Status haben als Gymnasiallehrer zum Beispiel.. Was ist die Rechtfertigung – die sachliche, wissenschaftliche wohlgemerkt? Ich hatte dazu mal eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einem Bekannten, der aus Syrien stammt, und zu denen gehört, die man als wirtschaftlich und kulturell bestens kapitalausgestattet bezeichnet, dem eine gute Schulbildung der Kinder wichtig ist. Gymnasiallehrer verdienen mehr weil das Studium härter sei und sie mehr wissen müssten. Schwachsinn, mit Verlaub. Ein Lehrer ist zuallerert ein Pädagoge, ein Pädagoge, ein Pädagoge. Und es kommt nicht nur darauf an, Wissen zu vermitteln, sondern zuvorderst WIE man sich Wissen aneignet, erweitert, vernetzt und das ganze noch mit Spaß und Interesse daran. Das Fundament – und da sind wir beim nächten Thema, wird in der frühkindlichen Bildung gelegt. Was bis zu Grundschule nicht an kulturellem Kapital erworben wird, ist später nie mehr wirklich aufzuholen.

Wo bleibt die Initiative der Bildungspolitik für eine mindestens Gleichstellung der Lehrer aller Schularten und die Erzieher gleich mit? Ich habe noch – in einem früheren ganz bösen System – als Grundschullehramtssudent mit Erziehern gemeinsam auf der Schulbank gesessen. Das hatte wohl gute Gründe, wobei die Oberstufe schon damals etwas „Höheres“ war, was mir später, als ich das Abi nachholte  meine Klassenlehrerin deutlich vermittelte. Unterstufenlehrer sind zu blöd fürs Abi.

Wenn man für Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit oder wie auch immer man das Bestreben bezeichnen will, Kindern ungeachtet ihrer Herkunft die gleichen START(!!!!!)Chancen zu bieten, dann sollte man dringend die berufsbedingten Ungleichheiten im Bildungssystem angehen und beseitigen.  Wetten, dass es dazu niemals kommt, weil sich die unterschiedlichen Vertreter der Berufsgruppen dagegen wehren werden? Die feinen Unterschiede sind überall.

Wochenendgeeignet: Brentenjoch

Es empfiehlt sich, Wanderungen nicht einfach so rauflos zu planen. Und ein ziemlich wichtiger Faktor ist – der Tag der Wanderung. An Wochenenden sind die Alpen mindestens genauso voll wie das Elbsandsteingebirge. Dies ist nicht nur nervig, sondern für manche Touren auch ein Risiko. Bei allen schönen Bildern darf man nicht ganz vergessen, dass ein Stolperer zuweilen sehr drastische Konsequenzen haben kann.

Der Aggenstein sollte es also nicht sein, aber die Richtung. Wetterbedingt. Richtung Schattwald hält sich der Winter um einiges länger als Richtung Grän. Das Brentenjoch also. Eine landschaftlich sehr schöne Tour, für die Kondition tut man auch was so ganz nebenbei. Wir sind gespannt, wie lange man unsere Runde noch so gehen kann. Ich denke zwei Jahre, spätenstens dann haben sich die Latschen den Weg vom Brentenjoch zur Kissinger Hütte/Aggenstein zurückerobert.

Immer dasselbe?

Es ist ja schon fast spießig, mehr als einmal denselben Urlaubsort zu wählen. Zumindest für diejenigen, die das Länderabhaken als Urlaubsstrategie für sich als Motto gewählt haben. Urlaub als Auszeit aber, da hat es seine Vorteile, ein Urlaubszuhause zu haben. Eins, in das man sich auch zwischendurch mal hineindenken kann.

Die Sulzspitze war der erste 2000er vor zwei Jahren, die letzten beiden Male nicht besucht stand sie wieder auf dem Tourplan. Und hat nicht enttäuscht. Eine Tour, die mehr in schroffere und weniger liebliche Berglandschaft führt als andere. Als ein echter Vorteil erwies es sich auf dieser Tour, dass wir die Gegend kannten. Anderenfalls hätten wir angesichts der Schneefelder die Tour abbrechen müssen. Ende Mai ist eben doch noch grenzwertig in bestimmten Höhenlagen. Jedenfalls – der Ausblick war wunderbar und das Wetter richtete sich ganz nett und freundlich nach uns. Es regnete. Aber immer anderswo. Was wir dieses Mal deutlich wie nie sahen, sind Bodenerosionen und die Risse an so manchem Wegstück lassen vermuten, dass über kurz oder lang der Weg ein anderer sein wird.

Der Markt wirds schon regeln

Fachkräftemangel. Wovon reden wir beim Fachkräftemangel denn eigentlich. Geht es da um die gut dotierten, die attraktiven Jobs, geht es da um Führungspositionen oder um Jobs mit viel Entfaltungs- und Kreativitätspotential und Entwicklungsmöglichkeiten? Oder geht es da um Jobs, die gesellschaftlich nicht anerkannt, schlecht bezahlt sind, die belasten, psychisch und/oder physisch und für die sich keine Menschen mehr finden weil die demografische Entwicklung die Marktverhältnisse augenscheinlich zugunsten der Arbeitnehmer (die gefragt sind) entwickelt hat?

Es fehlen in der Zukunft Mitarbeiter in Verwaltungen, in sozialen und Pflegeberufen, Lehrer, in der Gastronomie, Gebäudereiniger werden auch seltener. Dem Mittelstand und dem Handwerk fehlt der Nachwuchs.

Demgegenüber steht Bildungsexpansion, Meritokratie und Individualisierung. Das Bildungssystem irgendwie seiner Allokationsfunktion nicht mehr so richtig nachzukommen. Heißt nichts anderes, das Bildungssystem hat einen anderen Output als das Wirtschaftssystem gerne hätte. In Kombination mit der demografischen Entwicklung führt dazu, dass überall von Fachkräftemangel geredet wird und man anfängt, über Strategien zur Behebung nachdenkt.

Aber – was soll eine Fachkräftestrategie leisten? Soll der Fachkräftestratege zu den Eltern gehen und sie bitten, lasset Eure Kinder bitte um Himmelswillen nicht alle Abi machen? Soll Berufsorientierung sich am Arbeitsmarkt orientieren? Was ist dann aber mit der vielbeschworenen Selbstverwirklichung und individuellen Entwicklung – die Leitbilder der modernen Gesellschaft, die lebenslanges Lernen dadurch quittiert, dass eine zu gute Bildung ein ernst zu nehmendes Bewerbungshindernis ist.

Ich las auf Facebook den Status „besorgt“ bei einem Landtagsvgeordneten. Weil die Wirtschaft nicht mehr auf ausreichende Humanressourcen zugreifen kann. Besteht dieselbe Besorgnis eigentlich auch in Bezug auf die Menschen?

Gewittertour

Was macht man angesichts unklarer Wettervorhersagen? Einen Schirm mitnehmen. Normalerweise. Aber die Planung einer Wanderung ist nicht ganz so einfach, besonders wenn es um Gewitter und Platzregen geht.

Der Wetterbericht meinte, ab 14 Uhr könnte es regnen und gegen 16 Uhr dann wieder mal gewittern, wie so oft hier in den letzten Tagen. Also los, von der Talstation in Grän zur Großen Schlicke und zur Bergstation Füssener Jöchle. Den Aufstieg wollten wir uns schon selbst antun, Bergauffahrten sind was für Ältere. Man merkt den aber schon in den Beinen, so ganz haut die eine Stunde auf diesem einen Wegweiser da stand. Die Zeitangaben sind oft eher relativ.

Ende Mai ist noch recht früh fürs Wandern, es liegt noch ziemlich viel Schnee, oftmals stapft man durch Matsch und das ist, wenn es rutschig wird, dann nicht mehr ganz so schön. Heute bewahrte uns an einigen erfahrungsgemäß typischen Matschstellen Schnee vor DIESER Rutscherei.

Der Regen kam pünktlich an der großen Schlicke um 13.50 an, wir brachen auf in Richtung Füssener Jöchle und der Regen blieb erstmal hinter uns – bis kurz vor der Bergstation. Ein Gewitter mit Großgraupel ist schon was beeindruckendes.